Die Geschichte und Herkunft des Rhodesian Ridgeback

Die Wurzeln des Rhodesian Ridgebacks waren jene Hunde, welche auf ihrem Rücken diese interessante Haarformation trugen. Diese Haarbildung ist jedoch nicht mit dem geradezu perfekt anmutenden Rückenkamm des heute lebenden Ridgebacks zu vergleichen, welcher Resultat züchterischer Arbeit ist. Es waren vielmehr Haarbüschel, welche vom Rücken der Tiere wild abstanden, ohne jede Ordnung. Bereits in den letzten Dekaden des Mittelalters und zur Zeit der großen Weltumsegelungen um 1480 werden diese Hunde von den Portugiesen erwähnt, um die Ratten auf ihren Schiffen unter Kontrolle zu halten. Portugiesische Händler berichteten erstmals von den treuen aber auch hässlichen, hyänenartigen Hunden der Hottentotten. Noch heute findet man basenji-hyänenartige, halbdomestizierte Hunde in einigen wilden Teilen des heutigen Simbabwe.

Im Jahre 1652 errichteten die Holländer am Kap unter der Führung von Jan van Riebeek die erste kleine organisierte Siedlung. Ein systematischer Zustrom von Menschen, Arbeitsgeräten für die Bewirtschaftung, sowie Vieh und Haustiere, insbesondere europäische Hunde begleiteten die holländischen Siedler. Errichtungen ständig neuer Dienstleistungsstationen und Häfen für die Handelsschiffe im Kapbereich führte Schritt für Schritt zu einer Blüte des vielfältigen Handels unter holländischer Flagge. Da die Holländer ernsthaften Kontakt mit den Eingeborenen pflegten (überwiegend von ihnen Khoisan genannt) und es zum Grundsatz gehörte, so weit wie möglich die vor Ort befindlichen Ressourcen als auch die Natur zu erschließen, um somit die Kosten von europäischen Versorgungsgütern gering zu halten, kam es höchstwahrscheinlich auch zum Kontakt zwischen den mitgebrachten europäischen Hunden und den einheimischen Ridged Dogs. Welche Hunderasse jedoch die Holländer mit sich führten bleibt leider spekulativ. Es waren wahrscheinlich europäische Jagdhunde vom Typ des damaligen englischen Bloodhound und möglicherweise auch Hunde vom Typ des Mastiffs.

Es gibt auch Berichte, wonach die Zulukämpfer besonders vom Mut dieser Tiere beeindruckt waren, leider ist nicht bekannt, ob die Zulus selbst diese Hunde zu sich aufnahmen. Hunde mit Ridge gab es somit in ganz Afrika, sie sind Teil der afrikanischen Geschichte, sowie auch Teil zahlreicher Legenden Afrikas. Aus Bewunderung dieser Rasse entstand z. B. eine Legende, wonach diese Ridged Dogs tatsächlich einen Tropfen Löwenblut in ihren Adern haben.

Die allmähliche Kolonialisierung Afrikas schien nicht mehr aufhaltbar. 1688 wanderten die französischen Hugenotten ein und gründeten ebenfalls erste Siedlungen mit beachtlichen Fortschritt und Schnelligkeit, gefolgt von weiteren Europäern, welche das ganze 18. Jahrhundert über ihre eigene Zivilisation und Lebensstil Stück für Stück entwickelten und prägten. Die Geschichte Afrikas ist wie jeder andere Kontinent und seine Gebiete, blutig gezeichnet von Kriegen, Schlachten und grausamen Unterdrückungen von zahlreichen Volksstämmen (z. B. die Zulus) um neue Gebiete und damit strategische Stützpunkte zu erobern. Und mitten drin finden wir den Urahnen unseres heutigen Rhodesian Ridgebacks. Die Dutch East India Company am Kap war für die Holländer wichtiger, strategischer Umschlagsplatz großen internationalen Handels, welche jedoch als Folge des englischen Sieges bei der Seeschlacht 1795 unwiderruflich beendet wurde. Die Engländer machten nach und nach bis ca. 1814 die gesamte Kapprovinz zu einem Teil des englischen Empires. Ungefähr zu dieser Zeit erfolgten die ersten geplanten Kreuzungen zwischen europäischen und den afrikanischen Hunden. Die Buren oder auch Boers, nannten ihre treuen, mutigen Gefährten nach ihrer merkwürdigen Haarbildung z. B. Verkeerdehaar, Maanhaar, Vuilbaard. All diese tapferen Hunde waren auch dabei, als die Buren, meist Farmer, aufgrund des großen Drucks englischer Vormacht am Kap, Richtung Norden auswandern mußten und bei der darauffolgenden blutigen Schlacht 1838 bis 1854 am Blood River.- Wenn die Geschichte sprechen könnte, man würde noch soviel mehr über diese außergewöhnlichen Hunde mit ihrem Rückenkamm erfahren.

Um 1850, in den Jahren der Goldpolitik-Epoche, erlangten die Buren mit ihren Freistaaten von Urania und Transvaal die Unabhängigkeit. 1888 entstand Rhodesien, zustande gekommen durch einen Vertrag des Königs Lobengula und Cecil Rhodes. Erneute Kämpfe zwischen den Buren und den unterdrückenden Engländer entflammten zwischen 1822 und 1902 zum zweiten Mal und forderten einen grausamen Blutzoll auf beiden Seiten. Das Vorhandensein von Ridged Dogs auf Seiten der Buren bezeugen diverse Lithografien aus dieser Zeit. Die Reichtümer durch den Goldhandel, sowie die immer weiter fortschreitende Mobilität der Menschen wirkte sich auch auf die Jagd nach Trophäen aus. Die Großwildjagd entwickelte sich, bei der Hund und Jäger gemeinsame Wege beschritten.

Gerade in den letzten Jahrzehnten der Kolonialmächte wurde der Ridgeback geboren. Die legendäre Löwenjagd übertrug auf ihm den Ruhm und gab der Rasse bald ihren Namen Lion Dog. Dabei ist zu beachten, daß diese Hunde niemals einen Löwen angriffen oder sogar töteten, vielmehr wichen sie den tödlichen Pranken des Löwen dank ihrer außergewöhnlichen Beweglichkeit, ihrer Geschicklichkeit, Ausdauer und Kraft aus, bis der Jäger einen sicheren Gewehrschuss hatte, um den König der Tiere zur Erde zu strecken. Meist waren es wahrscheinlich Hündinnen, zwei bis drei von ihnen, die ihren Besitzer bei der Großwildjagd begleiteten. Ein guter Startpunkt für die Entstehung des modernen, heutigen Ridgebacks kann in Verbindung mit Referent Charles Helm gesehen werden. Aus Swellendam am Kap kommend, bereiste er die südlichen Teile des heutigen Simbabwe um 1870. Begleitet wurde er von zwei Hunden mit einem Ridge. Großwildjäger wie der berühmte Cornelius van Rooyen war während der Jagd sehr von ihrem enormen Mut, weniger aber von ihrer Witterungsfähigkeit beeindruckt. Da diese Hunde auch sehr viel größer waren, als die späteren Ridged Dogs, kreuzte van Rooyen sie mit leichteren europäischen Jagdhunderassen, um sie nicht zuletzt auch schneller, sowie wendiger machen zu können. Es stellte sich schnell heraus, daß die Pointer dabei weniger geeignet erschienen. Inspiriert durch Erzählungen von Großwildjägern wie van Rooyen brauchte man einen Hund, der den Schneid hatte, selbstständig gefährliches Großwild zu stellen, aber auf der anderen Seite auch so intelligent war, sich nicht blindwütig auf den Gegner zu stürzen und dabei sicher getötet zu werden. Schließlich wurden zwischen 1870 und 1922 die einzigartigen Jagd - und Schutzhundfähigkeiten bestimmter Hundetypen immer weiter erforscht, bis schließlich 1922 die ersten Richtlinien einer unabhängigen Hunderasse auf einer Farm in Bulawayo, im heutigen Simbabwe, niedergeschrieben wurden. Dies war der Geburtsort und die Geburtsstunde des heutigen, modernen Rhodesian Ridgebacks. Mr. Francis Richard Barnes beschloss in enger Zusammenarbeit mit anderen Hundeliebhabern unter anderem, daß dieser Hund rot bis weizenfarben sein sollte, ähnlich dem Ton der weiten afrikanischen Steppen. Des weiteren diente vorwiegend der Dalmatiner Standard als Basis für den Körperaufbau und deren Winkelungen. Er sollte darüber hinaus sehr beweglich, stolz, stark und ein kraftvoller Hund sein, der den harten Lebensbedingungen in der Wildnis bestens angepasst ist.

Der Tradition von van Rooyen folgten noch eine Vielzahl anderer großer Jäger, wie Frederick Selous, H. A. Fraser, Mrs. Foljambe, der Kenianer Sydney Waller bis hin zu Lewis Christian, welcher 1966 berichtete, er habe 226 Löwen erlegt. Auch ihm begleiteten stets mindestens zwei Ridgebacks.

Bereits am 7.2.1923, ein Jahr nach dem ersten Treffen ambitionierter, enthusiastischer Rasseanhängern in Bulawayo, verfasste die rhodesische "Farmer's Weekly" folgenden Text über den Rhodesian Ridgebackt: "In Rhodesien geht die Anzahl von Löwen rapide zurück, parallel dazu die Anzahl der Löwenjäger. Es wäre jammerschade, wenn diese großartige Hunderasse - der Löwenhund - aussterben würde. Es gibt noch immer zahlreiche Aufgaben, für die sich dieser Hund eignet, wenn es auch als unwahrscheinlich anzusehen ist, daß dies je eine zahlenmäßig große Hunderasse werden wird."

1984 gab es auch den ersten Rhodesian Ridgeback Worldkongress in Johannesburg, bei dem viele Erfahrungen und wertvolles Wissen über diese Rasse ausgetauscht wurden. Der Kongress findet alle 4 Jahre statt wobei 2008 Irland der Gastgeber war.

Es gibt neben den zahlreichen Legenden auch wahre Geschichten, eine davon stammt von R. H. Fraser von 1932 über eine Hündin namens Jess, welche durch einen Sturz völlig gelähmt war, sich aber davon erholen konnte. Wurde von einem Leoparden überrascht und von einem Löwen verletzt, konnte aber beides Mal entkommen. Konnte sich, nachdem sie von einer speienden Kobra geblendet wurde, wieder erholen. S. M. Wallace erinnerte sich an einen Ridgeback, der in der Wildnis von Simbabwe verloren ging. Mehrere Wochen mußte diese Hündin dort überleben, jagen um fressen zu können und sich wahrscheinlich auch gegen wilde Tiere zu schützen wissen. Schließlich wurde sie gefunden und nach Hause gebracht und war in einer so guten körperlichen Verfassung, daß man mit ihr zur nächsten Ausstellung hätte gehen können. Offensichtlich hatte diese Ridgeback-Hündin keinerlei Probleme bei der Nahrungsbeschaffung und war bestens ans raue Leben dort draußen angepasst. Wenn man den alten Geschichten der Großwildjäger Glauben schenkt, mußten diese Hunde meist Tage lang neben ihren berittenen Besitzern im Trab folgen, bis schließlich eine sichere Spur eines Großwildes aufgenommen werden konnte.

Die Rhodesian Ridgebacks wurden aber nicht nur für die Jagd eingesetzt, sie waren auch hervorragende Wächter auf Tabakplantagen, hielten unerwünschten Besuch wie z. B. umherstreuende Paviane erfolgreich fern. Bis heute werden sie dort eingesetzt, meist in Malawi, wo die Tabakpflanzung nach wie vor einer der wichtigsten Wirtschaftsgüter darstellt. Tatsache ist, daß der Ridgeback viel häufiger als Wach - und Schutzhund (häufig Rüden) eingesetzt wurde und bis heute wird. Das ist eine der herausragenden Qualitäten dieses Hundes, aber auch als Familienhund hat er sich durch seine große, gutmütige Toleranz, gerade gegenüber kleinen Kindern sehr gut als Familienhund bewährt.

 

Der Ridgeback ist bis heute die einzige domestizierte Hunderasse mit tiefen Wurzeln aus der Region um Südafrika. Lebt man mit einem Rhodesian Ridgeback zusammen, lebt man auch mit der jüngeren Geschichte Afrikas, mit ihren turbulenten Jahrhunderten der Kolonialmächte, als auch mit der puren Wildnis mit all ihren Abenteurern zusammen.

Sein Leben mit einem Rhodesian Ridgeback zu teilen ist eine große Aufgabe und verlangt volle Hingabe und Leidenschaft. Es ist eine große Verantwortung dieses einzigartige Herz voller Wildleben und purer Natur in jedem einzelnen Ridgeback weiter leben zu lassen. Die Zukunft des Rhodesian Ridgebacks liegt in unseren Händen und vor allem in den Händen verantwortungsvoller Züchter, die das Wesen und die Wurzeln, seine ganze Geschichte, am Leben halten und dieses für immer bewahren.

 

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